Arbeitslosengeld

Anspruch auf Arbeitslosengeld in Österreich hat jeder, der einen Antrag auf Arbeitslosengeld gestellt hat, die Anwartschaft erfüllt hat aber die Bezugsdauer noch nicht erschöpft hat und der der Arbeitsvermittlung immer zur Verfügung steht. Wer eine Beschäftigung aufnehmen kann, arbeitswillig, arbeitsfähig und arbeitslos ist, steht der Arbeitsvermittlung zur Verfügung.

Um Arbeitslosengeld zu beziehen, muss der Antragsteller vorher eine gewisse Zeit gearbeitet haben. Stellt man zum ersten Mal einen Antrag auf Arbeitslosengeld, so muss man vorher mindestens innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 52 Wochen gearbeitet haben. Danach gilt, das man vor Geltendmachung des Anspruch mindestens 28 Wochen gearbeitet haben muss. Grundsätzlich ist möglich Arbeitslosengeld und Kinderbetreuungsgeld gleichzeitig zu beziehen.

Dies dürfen aber nur Personen in Anspruch nehmen, die den Arbeitsmarkt ohne jede Einschränkung zur Verfügung stehen. Jeder der Arbeitslosengeld bezieht, kann nebenbei auch einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Wer einer Beschäftigung nachgeht, muss dies sofort dem Arbeitsamt melden.
Arbeitslosengeld setzt sich zusammen aus dem Grundbetrag und aus dem Ergänzungsbetrag und eventuell aus dem Familienzuschlag.

Aufgrund der Jahresbeitragsgrundlage des arbeitslosenversicherungspflichtigen Entgeltes, berechnet sich der Grundbetrag. Das arbeitslosenversicherungspflichtige Entgelt ist registriert beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Je nachdem, wann man den Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend macht, werden die verschiedenen Jahresbeitragsgrundlagen herangezogen. Die sozialen Abgaben und die Einkommenssteuer werden von dieser Bruttobemessungsgrundlage abgezogen. Als Grundbetrag des Arbeitslosengeldes gebühren 55% des errechneten täglichen Nettoeinkommens. Müssen der Antragsteller oder die Antragstellerin für Unterhalt sorgen, so werden Familienzuschläge gewährt. Wenn die Höhe des Arbeitslosengeldes unter dem Ausgleichszulagenrichtsatz für Alleinstehende liegt, so kann man unter bestimmte Voraussetzungen das tägliche Nettoeinkommen auf 60% – 80% aufstocken.

Das Arbeitslosengeld kann ein Arbeitssuchender / eine Arbeitssuchende für 20 Wochen beziehen. Die Anspruchsberechtigung kann unter Umständen auch verlängert werden. Zu diesen Umständen zählen: Schulungsmaßnahmen innerhalb einer Arbeitsstiftung und das Alter des Arbeitssuchenden / der Arbeitssuchenden.

Wer seine Arbeitsstelle durch eigenes verschulden verloren hat oder selber kündigt, der erhält in den ersten vier Wochen kein Arbeitslosengeld. Dies beginnt ab dem Tag, an dem das Beschäftigungsverhältnis beendet wurde. Wie lange das Arbeitslosengeld dann bezogen wird, wird davon aber nicht anhängig gemacht. Wer dann eine neue Arbeitsstelle aufnimmt, muss dies unverzüglich dem Arbeitsamt mitteilen. Auch online kann man diese Meldung abgeben.

Nimmt jemand die Kontrolltermine des Arbeitsmarktservices nicht wahr, so verliert er bis zur Neuanmeldung alle Leistungsbezüge. Es kann auch passieren das sich der Zeitraum, in dem auf Arbeitslosengeld Anspruch besteht, unter Umständen auch verkürzt.

Arbeitslosengeld kann nur durch eine persönliche Vorsprache beantragt werden. Dies muss spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit erfolgen. Hat sich schon vorher jemand zur Stellensuche beim Arbeitsmarktservice gemeldet, so muss er sich erst spätestens nach einer Woche, nachdem die Arbeitslosigkeit eingetreten ist, bei der regionalen Geschäftsstelle melden. Wenn man Arbeitslosengeld beantragt müssen bestimmte Unterlagen mit vorgelegt werden.

Um welche Unterlagen es sich dabei handelt, kann man bei seiner zuständigen Geschäftsstelle erfragen. Eine Arbeitsbescheinigung muss nicht mehr vorgelegt werden. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Das heißt, das der Arbeitsmarktservice in Einzelfällen auf die Vorlage einer Arbeitsbescheinigung bestehen darf. Diese muss dann der Dienstgeber/in ausstellen. Wer Arbeitslosengeld bezieht, ist auch weiterhin bei seiner Krankenversicherung krankenversichert.

Arbeitslosigkeit in Österreich

Bei Arbeitslosigkeit herrscht Unausgeglichenheit am Arbeitsmarkt, bei dem Arbeitsangebot die Arbeitsnachfrage übersteigt. Ein Teil der Erwerbspersonen (zu denen die Erwerbstätigen sowie –losen zählen) geht keiner Erwerbstätigkeit nach. Arbeitslosigkeit stellt zudem eine Nichtauslastung des Produktionsfaktors Arbeit dar (Unterbeschäftigung), was bedeutet, dass das verfügbare Potenzial an Arbeitskräften nicht zur Gänze zur Güterproduktion und dem Nachgehen von Dienstleistungen ausgeschöpft wird. Es kann/muss zwischen verschiedenen Arten der Arbeitslosigkeit unterschieden werden:

Natürliche Arbeitslosigkeit: Sie stellt sich aufgrund der Marktkräfte ein und kann nicht dauerhaft von Geld- und Fiskalpolitik beeinflusst werden. Natürliche Arbeitslosigkeit stellt zumeist eine Art unfreiwilliger Arbeitslosigkeit dar. In einer ausgeglichenen Volkswirtschaft sollte die natürliche Arbeitslosigkeit idealerweise so niedrig wie möglich sein, da davon ausgegangen wird, dass aufgrund der Flexibilität der Löhne mehr oder weniger Vollbeschäftigung herrscht.

Friktionelle Arbeitslosigkeit: Diese Art der Arbeitslosigkeit (sie ist Teil der natürlichen Arbeitslosigkeit) entsteht durch den Wechsel des Arbeitsplatzes und schließt den Zeitraum zwischen Beendigung der alten bis zum beginn der neuen Tätigkeit ein. Somit ist die friktionelle Arbeitslosigkeit kurzfristig und kann sowohl freiwillig (man möchte einer für sich besser geeigneten Tätigkeit nachgehen und sucht sich daher eine neue Stelle) als auch unfreiwillig (Kündigung durch den Arbeitgeber) erfolgen.

Klassische Arbeitslosigkeit: Sie wird auch lohnbedingt Arbeitslosigkeit genannt und stellt sich ein, weil sich Löhne nicht schnell genug anpassen. Ausgelöst wird sie also durch konjunkturelle Schwankungen.

Strukturelle Arbeitslosigkeit: Sie ist eine art der langfristigen Arbeitslosigkeit und wird durch Veränderungen in verschiedenen Wirtschaftsbranchen ausgelöst, z.B. technische Neuerungen (technologisch bedingter Rückgang der Nachfrage nach Arbeitern, die auf dem neuen Gebiet noch völlig ungelernt sind; so z.B. in den 1990er-Jahren durch die Computerrevolution, was v.a. für die ältere Generation schwer war) oder neue Interessen am weltweiten Markt, wodurch einzelne Bereiche nicht mehr in ihrer bisherigen Ausprägung erwünscht oder erforderlich sind. Ein weiterer Auslöser für strukturelle Arbeitslosigkeit stellt das Outsourcing dar, bei dem man sich beispielsweise in Asien um billigere Arbeitskräfte umsieht. Strukturelle Arbeitslosigkeit ist langfristig, weil auch strukturelle Umstellungen meist einen länger andauernden Veränderungsprozess nach sich ziehen.

Daneben existieren aber auch noch Begriffe wie Jugendarbeitslosigkeit oder Langzeitarbeitslosigkeit.

Die Gründe für Arbeitslosigkeit können sehr vielfältig sein, ein paar wurden bereits genannt. Hier noch einmal eine überblicksmäßige Darstellung der möglichen Ursachen:

• Großzügige Arbeitslosenunterstützung
• Technologisch bedingter Rückgang der Nachfrage nach Arbeitern, die auf dem neuen Gebiet noch völlig ungelernt sind (so wie dies in den 1990er-Jahren durch die Computerrevolution der Fall war)
• Starker Anstieg der Lohnnebenkosten (Nichtleistungslöhne, Sozialversicherungsbeiträge, …)
• Stark ausgeprägter Arbeitnehmerschutz
• Explosion von Löhnen gekoppelt mit Rückgang des Produktivitätswachstums [reale Wachstumsrate des BIP] (auch höhere Mindestlohnvorschriften können einen Grund für erhöhte Arbeitslosigkeit darstellen)

Natürlich dürfen auch die Konsequenzen, die eine hohe Arbeitslosigkeit auf die Gesamtwirtschaft eines Landes hat, nicht außer Acht gelassen werden: das Wirtschaftswachstum ist eingeschränkt, die Finanzierung der Sozialsysteme und Maßnahmen des Arbeitsmarktes werden erschwert. Sind weniger Personen erwerbstätig, hat der Staat Steuerausfälle zu beklagen (z.B. Rückgänge bei Lohn- und Einkommenssteuer). Des Weiteren konsumieren Erwerbslose zwangsweise weniger, was sich natürlich wiederum auf die Wirtschaft eines Landes auswirkt.