Pflegegeld

Das Pflegegeld gibt es in Deutschland, wie auch in Österreich. Im Bundespflegegeldgesetz ist diese Leistung seit 1993 für Österreich geregelt. Vorher galt das Bundesland Vorarlberg als beispielhaft, denn dort gab es seit 1990 einen Pflegezuschuss, der alternativ die Betreuung zu Hause unterstützen und eine Minimierung der
Heimunterbringung erwirken sollte. Die Länder Österreichs arbeiteten zu dem Bundesgesetz eigene Landesgesetze aus, die zwar darauf hinzielten, dass jede pflegebedürftige Person auf die ihr zustehenden Pflegemaßnahmen Einfluss nehmen kann, aber im Endergebnis hatte dann jedes Land eigene Pflegesätze.
Diese können zum Teil zu extremen Unterschieden führen. Diese Feststellung traf auch der österreichische Rechnungshof, der diese Pflegegelder scharf kritisierte und gleichzeitig die Qualität der ärztlichen Gutachten zum Teil stark anzweifelte. Die Rede war von überzogenen Honoraren bis hin zum Bezweifeln bei der Anzahl von Gutachten, die mancher Mediziner pro Tag durchgeführt haben will. Auch die Einstufungskriterien sollten lt. Rechnungshof genauer unter die Lupe genommen werden, da der Pflegebedarf inzwischen eine hohe Komplexität angenommen hat. Gefordert wird auch, dass die Gutachter eine einheitliche Ausbildung erhalten, damit in jedem Bundesland die gleichen Voraussetzungen zu Grunde gelegt werden können. Es müssen Voraussetzungen geschaffen werden, die eine rechtliche Kontrolle der abgefassten Gutachten zulassen.

Das Pflegegeld wird in Österreich nach einem Stufenplan gewährt, der in 7 Stufen die Höhe des Geldbetrages fest geregelt hat. Das Pflegegeld ist eine Leistung, die zur Pflege von kranken, alten und behinderten Menschen gezahlt wird.

In einem Pflegegeldkatalog ist ein festgelegter Stundensatz für bestimmte Pflegemaßnahmen hinterlegt. Die Krankheiten werden ebenfalls berücksichtigt, die eine Pflege erforderlich machen, wie zum Beispiel Demenz oder geistige und körperliche Behinderungen.

So sollte die Betreuung für Demenzkranke eine Stunde pro Tag betragen und für Kinder, die schwerstbehindert sind, soll der Erschwerniszuschlag bis zum siebten Lebensjahr 50 Stunden betragen, Bis zum fünfzehnten Lebensjahr beträgt der Erschwerniszuschlag 75 Stunden. Für eine umfassende Pflege durch die Angehörigen kann dieses Pflegegeld nur ein Zuschuss zu den tatsächlichen Kosten sein, denn für noch so kleine Handreichungen muss man Zeit und Geld einplanen.

Das Pflegegeld wird in Österreich auch nicht als Einkommenserhöhung gewertet, sondern es soll die Mehrkosten mit abdecken helfen, die durch die Krankheiten entstanden sind und die auch dem Pflegebedürftigen zu mehr Unabhängigkeit verhelfen. So kann man in Österreich ab der 3. Pflegestufe eine Hausbetreuung bekommen. Allerdings gilt es dabei den beruflichen Status der pflegenden Angehörigen zu berücksichtigen.

Südtirol beschloss im Jahre 2007 ein Landesgesetz zur Pflegesicherung, das ein Pflegegeld mit 4 Stufen zum Inhalt hatte. Gestaffelt wurden die Beträge von 510, 900, 1350 und 1800 Euro pro Monat von Stufe 1 bis Stufe 4. Um die Stufe 1 zu bekommen, muss der Pflegebedarf für mindestens 2 Stunden täglich festgesetzt sein. Liegt der Stundensatz darunter, wird kein Pflegegeld gewährt. In Österreich sind gegenwärtig 350.000 bis 400.000 Menschen auf Pflege und Hilfe angewiesen.

Da auch in Österreich die Bevölkerung immer älter wird, gibt es schon aus diesem Grund mehr Demenz Pflegefälle. Aber auch aus Krankheiten resultieren Pflegefälle und nicht zuletzt sind die Pflegefälle zu bedenken, die schon in Pflegeheimen leben. Aus diesen und anderen Überlegungen hat Österreich ein Pflegevorsorgesystem eingeführt.

Einen Überblick in Zahlen sagt folgendes aus:

Im August 2008 zahlte der Bund für ca. 340.000 Menschen das Pflegegeld, das Land hatte für ca. 65.000 Menschen aufzukommen. Auch die Geldbeträge sind bis zu 30 %  unterschiedlich im Vergleich mit den einzelnen Bundeländern. So verzeichnet man zum Beispiel in Vorarlberg sehr viele Pflegegeldempfänger der Stufe 6. Dies könnte wiederum auf die o.g. Gutachten zurück zu führen sein oder es hat Ursachen, die noch zu untersuchen wären.

Andererseits hat die Landesstelle Wien etwa 50% mehr Neuanträge zu verzeichnen als Vorarlberg. Es gibt also viele Merkmale in dieser Auswertung, die die Forderung des Rechnungshofes untermauern, einheitliche Grundlagen für rechtliche Kontrollen zu schaffen.

Neben dem Pflegegeld haben die Angehörigen auch die Möglichkeit, andere finanzielle Unterstützungen zu beantragen. So kann der Betroffene oder dessen Angehörige beim zuständigen Wohnsitzfinanzamt eine erhöhte Familienbeihilfe beantragen. Voraussetzung ist, dass das Kind mindestens 50 Prozent behindert ist und dauerhaft nicht im Stande ist, sich selbst zu versorgen.

Schulfahrtbeihilfe zu Unterstützung, wenn kein öffentliches Verkehrsmittel genutzt werden kann und die Eltern das Kind mit dem eigenen Fahrzeug zur Schule Bringen und Holen müssen.

Therapiekostenersatz und Fahrtkosten zur Therapie, wenn eine Therapie verordnet wurde und Fahrtkosten entstanden sind. Diese können auf Antrag erstattet werden.

Zusätzliche Betreuung, und Kostenersatz für Hilfsmittel können ebenfalls beantragt werden. Diese werden von
der Landesregierung bezuschusst, den Kostenersatz trägt die Krankenkasse.

Desweiteren gibt es auch Zuschüsse für behindertengerechte Umbauten in Wohnungen oder im Eigenheim und ebenso gibt es noch Zuschüsse für den Umbau des Autos, damit es behindertengerecht genutzt werden kann. Diese Zuschüssen kommen vom Staat als günstiges Darlehen, Tilgungserleichterungen oder einmaligen Zuschüssen. Diese Zahlungen sind aber von Land zu Land anders geregelt, da unterschiedliche Bauordnungen und Förderungsmaßnahmen andere Grundsätze für die Bewilligung bilden.

Abschließend kann man feststellen, dass rund ums Pflegegeld in Österreich viele Angebote den Betroffenen und ihren Angehörigen Unterstützung anbieten.