Kreditsteuer
Wer sich schon einmal Geld bei der Bank geliehen hat, also einen Kredit aufnehmen musste, der weiß, dass dies mit einer Menge Kosten verbunden ist. Nur mit der Rückzahlung der Kreditsumme, der Tilgung, und der Zahlung der darauf anfallenden Zinsen, ist es noch nicht getan. Jede Bank erhebt bei der Vergabe eines Kredits noch Gebühren, die Kreditnebenkosten, die dann der insgesamt zurückzuzahlenden Summe noch hinzugerechnet werden.
Diese Kosten sollten vom Kreditnehmer auf keinen Fall vernachlässigt werden. An erster Stelle stehen hier die Bearbeitungskosten, die von der Bank selbst oder dem Kreditvermittler erhoben werden. Diese werden als Prozentsatz der Nettokreditsumme angegeben und können von Bank zu Bank variieren. Ein Vergleich lohnt sich also durchaus. Zu den Kreditnebenkosten zählen außerdem die Kosten für eine Kredit- oder Restschuldversicherung, die Kontoführungsgebühren für das Kreditkonto und eventuell anfallende Bereitstellungsprovisionen. Bei einer Baufinanzierung kommen noch die Notar- und Gutachterkosten hinzu.
In Österreich gibt es noch eine zusätzliche Besonderheit. Als einziges Land in Europa erhebt Österreich eine Kreditsteuer oder Rechtsgeschäftsgebühr. Diese beträgt 0,8% bis 1,5% der Kreditsumme und wird, wie alle übrigen Kreditnebenkosten, dem Kreditbetrag hinzugefügt.
Bei Abschluss eines Kreditvertrages sollte man unbedingt darauf achten, dass alle anfallenden Nebenkosten, auch die Kreditsteuer, exakt aufgeführt und verständlich dargestellt sind. Sind die anfallenden Nebenkosten nämlich noch nicht berücksichtigt, ergibt sich erst einmal der Zinssatz, der nur auf die gewünschte Kreditsumme zu zahlen ist, der Nominalzins. Für den Kreditnehmer viel wichtiger ist der Zinssatz, den er dann tatsächlich zu zahlen hat.
Die Nettokreditsumme und alle prozentual darauf entfallenen Nebenkosten, werden addiert zu einer Gesamtkreditsumme und darauf sind dann auch die die tatsächlichen Zinsen zu zahlen. Dies bezeichnet man dann als Effektivzins. Logischerweise fällt dieser höher aus als der Nominalzins. Die in Österreich übliche Kreditsteuer verteuert also jeden Kredit noch einmal zusätzlich.
Der Staat greift an dieser Stelle in das Finanzwesen ein und erhebt eine Besteuerung die von 0,8% bis 1,5% betragen kann, auf die Darlehenssumme. Diese Besteuerung muss von den Banken und Kreditvermittlern abgeführt werden und betrifft sowohl private als auch gewerbliche Kreditnehmer gleichermaßen.
So ist es verständlich, dass diese Besteuerung heftig umstritten ist und immer wieder Forderungen aus den unterschiedlichen politischen Lagern laut werden, diese abzuschaffen. Der österreichische Finanzminister hat bereits sehr konkrete Pläne geäußert, die das Aus für die Kreditsteuer bedeuten würden. Auch die Banken selbst sähen diese Steuer am liebsten wieder abgeschafft. Denn schlussendlich verteuert sie jeden Kredit, die Finanzinstitute müssen ihren Kunden diese zusätzliche Belastung in Rechnung stellen, ohne die eigene Marge an dem überteuerten Kredit zu verbessern.
Rund 150 Millionen Euro pro Jahr, werden durch die Kreditsteuer in die Staatskassen gespült. Leidtragende sind vor allem die Verbraucher, die einen guten Teil dieser Steuereinnahmen, über die Nebenkosten ihrer Privatkredite aufbringen. Österreichs Privathaushalte sind immerhin mit ca. 115 Milliarden Euro verschuldet. Werden diese Darlehen durch zusätzliche staatliche Besteuerungen künstlich verteuert, geht dies zu Lasten der Kaufkraft und wirkt sich als Hemmnis für wirtschaftliches Wachstum aus. Besondere Vorsicht ist auch geboten, bei Umschuldung von bestehenden Kreditverträgen.
Denn wenn die gesetzlichen Fristen nicht eingehalten werden, kann durchaus die Kreditsteuer ein zweites Mal fällig werden. In Einzelfällen können die Nebenkosten, für eine Umschuldung, sich dann auf bis zu 4,36% belaufen. Hier sollte sich jeder Kreditnehmer die Zeit nehmen, für ein ausführliches Gespräch bei seinem Finanzberater oder dem Kundenbetreuer seiner Hausbank. Die Spezialisten kennen die Fallstricke und können so helfen, tatsächlich bares Geld zu sparen.
Doch auch die Wirtschaft steht kaum besser da. Mit fast 130 Milliarden Euro kann die Verschuldung der österreichischen Wirtschaft als stattlich bezeichnet werden. Kreditkosten und vor allem Kreditnebenkosten, werden für die Unternehmen zum Wirtschaftsfaktor. Seit Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009, können Kreditnebenkosten nicht mehr als außerordentliche Belastung geltend gemacht werden und belasten in voller Höhe den Etat.
Je höher die Kreditnebenkosten des Standortes sind, umso unattraktiver wird der Standort, auch für die ansässigen Unternehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass es gerade für mittelständische Unternehmen immer schwieriger wird, überhaupt noch Kredite zu bekommen. Nach den jüngsten Finanzkrisen werden Banken bei der Vergabe von Darlehen noch vorsichtiger, Kredite könnten noch teurer werden. Denn hier gilt wieder das grundlegende Prinzip, dass die Zinsen, entsprechend der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers, steigen oder fallen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird die Bonität eher schlecht bewertet, was natürlich die Zinsen ansteigen lässt.
Mehr als 30% der Unternehmer gaben in einer Umfrage an, dass sich die Kreditbedingungen für ihr Unternehmen wesentlich verschärft hätten. Davon seien sowohl bestehende, als auch neu aufzunehmende Kredite betroffen. So trägt die Kreditsteuer noch zusätzlich dazu bei, den Wirtschaftsstandort Österreich zu verteuern.
Jeder brave Steuerzahler ist sich sicherlich der Tatsache bewusst, dass aus der Summe aller Steuern und Abgaben, die Staatsausgaben und letztlich das Gemeinwohl, finanziert werden. Die Zahlung der Steuern wird allen Steuerpflichtigen auferlegt. Wie alle anderen Steuerarten ist die Kreditsteuer, damit auch durchaus durch die Staatsgewalt, einzutreiben, wer die Zahlung verweigert, muss mit Ungehorsamsfolgen, bis hin zu Freiheitsstrafe rechnen.
Trotzdem erscheint es durchaus nachvollziehbar, dass sich am Sinn oder Unsinn der Kreditsteuer die Geister scheiden und sehr kontroverse Diskussionen geführt werden. Die Hausbanken und Verbraucherschutzverbände halten jeden verunsicherten Kreditnehmer sicherlich gerne auf dem Laufenden.