Wertpapiere

Wertpapiere

Was sind Wertpapiere?

Als Wertpapiere werden Urkunden bezeichnet, die ein privates Recht garantieren, indem gegenüber dem Schuldner nur geltend gemacht werden können, wenn der Inhaber der Urkunde anwesend ist und diese dem Schuldner vorlegt. Ohne die Urkunde verliert das darin festgehaltene Recht seine Geltung.

Welchen Sinn erfüllen Wertpapiere?

Wertpapiere erfüllen vor allem im Schuldrecht ihren Zweck. Wenn die jeweiligen Parteien ihre Rechte und Pflichten schriftlich festhalten, wird üblicherweise ein Schuldschein ausgestellt, den der Gläubiger dem Schuldner vorlegt, um somit seine Forderung zu beweisen. Da es sich bei einem Schuldschein jedoch nur um eine einfache Beweisurkunde handelt, geht das Recht auf eine Rückzahlung nicht verloren, wenn der Schuldschein nicht vorgelegt werden kann. In diesem Fall muss der Gläubiger lediglich seine Forderung auf andere Art beweisen. Eine Urkunde hat erst Liberationsfunktion zugunsten des Schuldners, wenn zuvor vereinbart wurde, dass der Schuldner demjenigen, der die Urkunde vorlegt, die Schuld erlässt. Erst dann wird die Urkunde zu einem Wertpapier.

Welche Eigenschaften haben Wertpapiere?

Damit eine Urkunde als Wertpapier anerkannt wird, muss sie einige Eigenschaften aufweisen.
So wird zum Beispiel zwischen verkehrsfähigen und weniger verkehrsfähigen Wertpapieren unterschieden. Die Verkehrsfähigkeit eines Wertpapiers wird durch die Verbriefung des Rechts gesichert, sodass das Wertpapier von einem Inhaber zum nächsten Inhaber übertragen werden kann. Als verkehrsfähige Wertpapiere gelten zum einen die Inhaberpapiere, die ausserdem noch einen verstärkten Gutglaubensschutz umfassen, und zum anderen die Orderpapiere.

Als eingeschränkt verkehrsfähig gelten dagegen die Rektapapiere. Eine einfache Übergabe hat bei diesen Papieren keinen Einfluss auf eine Rechtsänderung der Forderung, diese kann erst bei einer Abtretung des Wertpapieres übertragen werden, was komplizierte rechtliche Schritte erfordert. Rektapapiere sind also aufgrund der rechtlichen Hürden nur gering verkehrsfähig.

Eine weitere Eigenschaft der Wertpapiere ist die Handelbarkeit. Wer für andere Wertpapiere verkauft, anschafft, verwaltet oder auch nur aufbewahrt geht ein Bankgeschäft ein, das eine Erlaubnis erfordert. Wertpapiere die an der Börse gehandelt werden, müssen das Höchstmaß an Verkehrsfähigkeit aufweisen, die Inhaberpapiere eignen sich deshalb am Besten für den Börsenhandel. Orderpapiere können dagegen nur an der Börse gehandelt werden, wenn sie ein Blankoindossament enthalten.

Eine Eigenschaft, die alle Wertpapiere gemeinsam haben, ist die Verbriefung des Rechts. Ein Sparbuch berechtigt den Gläubiger, das dokumentierte Sparguthaben abzuheben, Aktien verbriefen dagegen alle Rechte eines Aktionärs an der Aktiengesellschaft, während Order-Lagerscheine ihren Besitzer das Recht verschaffen, ihre eingelagerte Ware abzuholen. Zwar sind die Wertpapiere ganz unterschiedlich ausgestaltet, trotzdem verbriefen sie alle ein bestimmtes Recht. Inhaberpapiere verbinden das Recht mit der Urkunde am stärksten, sodass eine Übergabe der Urkunde dazu führt, dass der neue Besitzer automatisch aus das verbriefte Recht übernimmt. Anders sieht es dagegen bei Rekta- und Orderpapieren aus. Hier reicht die einfache Übergabe der Urkunde nicht aus, um auch das verbriefte Recht zu übertragen. Eine Übertragung des Rechtes ist bei Rektapapieren nur mit Zession möglich, bei Orderpapieren mit einem Indossament.

Wertpapierarten in Österreich

Zwar sind alle Wertpapiere Urkunden über Vermögensrechte, deren Übertragung und Ausübung nur möglich sind, wenn man im Besitz der Urkunde ist, trotzdem gibt es viele verschiedene Arten. Neben den an der Börse gehandelten Wertpapieren wie Aktien und Anleihen gibt es zum Beispiel die Möglichkeit festverzinsliche Wertpapiere anzulegen. Hierbei ist die Verzinsung festgelegt und erfolgt regelmäßig, wobei eine Rückzahlung nur zu bestimmten Terminen ausgeführt werden kann.

Während Aktien ein Gesellschaftsrecht verbrieft, beurkundet ein sogenannter Genussschein dagegen das Recht an einem Reingewinn oder an einem Liquidationserlös eines Unternehmens. Eine weitere Möglichkeit sind Investmentzertifikate. Diese Wertpapiere stehen für einen Miteigentumsanteil an den Vermögenswerten eines Investmentfonds. Inhaberpapiere, die dem Anleger eine Beteiligung an dem Vermögen oder an dem Geschäftserfolg eines Unternehmens ermöglichen nennt man Partizipationsscheine. Bei diesen Papieren stehen auch dem Inhaber eines Partizipationsscheines ein Teil der Rechte des Aktionärs zu, sodass sie eine große Ähnlichkeit zu der Vorzugsaktie aufweisen.