Rewe hält an Osteuropageschäft fest

Sanktionen hier, Rubelverfall da: trotz herausfordernder wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen und einer anspruchsvollen Wechselkurssituation hofft Frank Hensel, Leiter des Osteuropageschäftes der REWE Group International AG, angesichts einer positiven Trendentwicklung den bisherigen strategischen Expansionskurs auch in 2015 nahtlos fortsetzen zu können.

Aufkeimende Gerüchte, das Unternehmen wolle seine Aktivitäten in Bulgarien, der Ukraine oder Russland – wie zuletzt teilweise im krisengebeutelten Italien – reduzieren oder dort gar gänzlich als Marktteilnehmer von der Bildfläche verschwinden, wurden in einem jüngst im „Wirtschaftsblatt“ online publizierten Interview nicht bestätigt.

Wachstumslokomotive unter Dampf

Trotz Krise: REWE Gruppe bleibt auf Expansionskurs

Trotz Krise: REWE Gruppe bleibt auf Expansionskurs

Bereits kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1990 erkannte die REWE Group International AG die damit verbundenen Investitionschancen und erschloss sich sukzessive mit ihrem stationären Einzelhandelskonzept in den Folgejahren Wachstumsmärkte in ganz Osteuropa.

Der Markteintritt in Russland gelang erst im Herbst 2004, als die erste Billa-Filiale unter dem Dach der REWE-Group International AG in Moskau für die Kundinnen und Kunden ihre Pforten öffnete. Seitdem wird täglich die Erfolgsgeschichte der Billa-Märkte in Russland fortgeschrieben.

Besondere Coups landete die Billa Russia GmbH Ende 2008 mit der Übernahme von weiteren 13 Läden der Supermarkt-Kette Njam Njam sowie im April 2012 mit dem Erwerb von zwölf Citystore-Supermärkten in privilegierten Lagen von einer Tochter der türkischen Enka-Gruppe.

Abgesehen von derartigen Mega-Transaktionen setzt die REWE Group International AG auf organisches Wachstum, mit einem besonderem geographischen Fokus auf die verdichteten urbanen Metropolregionen Zentralrusslands sowie spezifisch den Speckgürtel der Hauptstadt. Bereits 2009, im fünften Jahr des Bestehens, sicherte sich Billa die dritte Position im Moskauer Supermarktsegment. Bis August 2014 etablierte sich Billa in Russland mit 97 Filialen als feste Größe im Lebensmitteleinzelhandelssektor.
Parallel zum Russlandgeschäft wurde der Ausbau des ukrainischen Ladennetzes vorangetrieben. Einen besonderen Investitionsanreiz bot hierbei – trotz gewaltiger bürokratischer Hindernisse sowie hoher politischer Instabilität – die überdurchschnittlich gute städtische Infrastruktur, die Größe des Landes sowie der geringe Marktsättigungsgrad, sodass gute mittelfristige Wachstumsprognosen eine derartige Expansion ebenfalls wirtschaftlich lohnenswert erschienen ließen. Diese Annahmen bewahrheiteten sich uneingeschränkt – bis zum Ausbruch des Ukrainekonflikts.

Die Stunde des deutschen Zahlenakrobaten und des polnischen Zauberkünstlers

Tatsächlich bescherte diese Expansionsstrategie mit circa bis zu 500 Millionen Euro Investitionsvolumen jährlich in den gesamten osteuropäischen Markt der REWE Group International AG in den Jahren 2009 – 2013 eine Phase überdurchschnittlichen, stetigen und kontinuierlichen Wachstums im hohen einstelligen Bereich. Für Russland und die Ukraine wurden diese Erwartungen in Bezug auf die Erlöse bzw. Gewinne sogar deutlich übertroffen.

Erst für das Geschäftsjahr 2014 war ein Rückgang des Brutto-Umsatzes CEE um -7.79 % (Russland) bzw. gar -20.20 % (Ukraine) zu verzeichnen. Legt man hingegen die wechselkursbereinigten Daten (Landeswährung : EURO) zum Bilanzstichtag der Betrachtung zugrunde, so ergeben sich ansehnliche Bruttoumsatzzuwächse von stolzen 10.84 % bzw. 16,80 %.

Dies spricht an und für sich für ein gesundes, überproportionales Wachstum der Billa-Märkte in diesen Regionen, wobei diese positiven Marktdynamiken infolge von Währungsturbulenzen nahezu in ihr Gegenteil verkehrt werden und bilanziell negativ als Verlust in Erscheinung treten.

  • Kaum Auswirkungen auf die Unternehmensbilanz zeitigen hingegen laut Hensel die Sanktionen. Dafür sind zwei Faktoren ausschlaggebend: Zum einem stammen durchschnittlich 2/3 der in den Billa-Supermärkten angebotenen Artikel aus russischer Produktion; lediglich 1/3 des Sortiments wird durch ausländische Importware gedeckt, was die Abhängigkeit von anderen Lieferländern minimiert.
  • Sollten doch Engpässe infolge inländischer Produktionsengpässe bzw. des Einfuhrstopps westlicher Waren und Güter eintreten, so sorgt das wachsame Argusauge des Janusz Kulik, verantwortliches Vorstandsmitglied der REWE Group International AG für den Vollsortimentsbereich in Zentral- und Osteuropa, infolge engmaschigen Monitorings für rasche und flexible Sortimentsanpassungen. Auf diese Weise werden Verluste ebenfalls abgefedert und ein qualitativ und quantitativ annehmbares Warenangebot zu bezahlbaren Preisen gewährleistet.
  • Trotz der Krise scheint ein ungebrochener Optimismus durch, dass die Situation in Russland und der Ukraine sich lediglich als von vorübergehender Natur herausstellt, sich alsbald normalisiert und die REWE Group International AG dank ihrer Reserven in der Lage ist, diese Zeit proaktiv zu überbrücken. Zumindest drängt sich kein Vergleich der gegenwärtigen Konstellation zu den Umständen auf, die 2009 zu einem Ausscheiden der Billa-Kette aus dem polnischen Markt führten.

Deine Meinung ist uns wichtig

*