Rentenversicherung

Wer freut sich nicht auf die Zeit nach dem Berufsleben, in der man die Früchte der langjährigen Arbeit endlich genießen darf? Mit dem 65. Lebensjahr endet in Österreich die Erwerbstätigkeit für Männer, Frauen dürfen bereits mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen. Die einen warten darauf, endlich das Haus zu renovieren und den Garten neu herzurichten, die anderen planen, mit dem Wohnmobil die Welt zu erobern, wieder andere wollen sich an einer Universität einschreiben, um endlich das zu lernen, was sie ein Leben lang wissen wollten, und noch andere möchten das Wissen, das sie in ihrem langen Berufsleben angehäuft haben, unentgeltlich weitergeben. Alle diese Pläne haben eines gemeinsam: man braucht dazu Geld, um sie umsetzen und trotzdem selbst zufriedenstellend leben zu können.

Die sich ändernden Altersstrukturen der Bevölkerung zwingen die Gesellschaften, die Pensionsgesetze anzupassen. Daher muss man sich heute klar sein: wer im Alter seinen Lebensstil beibehalten möchte, muss entweder länger arbeiten oder privat vorsorgen.

Auf Pensionen besteht in Österreich ein Rechtsanspruch, soweit bestimmte Bedingungen erfüllt sind:
Eintritt des Versicherungsfalles (z. B. Erreichen der erforderlichen Altersgrenze oder Feststellung der Erwerbsunfähigkeit), Erfüllung der Mindestversicherungszeit und ggf. Erfüllung weiterer Voraussetzungen, falls vorgesehen. Einzelne Voraussetzungen gelten nur für Personen bestimmter Jahrgänge; detaillierte Informationen zu diesen Punkten stellen die Pensionsversicherungsträger zur Verfügung.

Kein Rechtsanspruch besteht jedoch auf eine individuell gewünschte und subjektiv ausreichend erscheinende Höhe der Pension. Um das Pensionistendasein so genießen zu können, wie man sich das vorstellt, sollte man sich rechtzeitig vor Antritt einige Fragen stellen.

Am Anfang darf man getrost ein bisschen träumen und sich ausmalen, wie und wo man nach der langen Erwerbstätigkeit leben möchte. Diesen Traum muss man dann in Zahlen umsetzen und festlegen, wieviel Geld dafür monatlich mindestens notwendig ist.

Der zweite Schritt wechselt dann die Richtung in die häufig bitteren Realität, wenn man ausrechnet oder besser von Fachleuten ausrechnen lässt, wie hoch die eigene Pension nach der Erwerbstätigkeit real ausfallen wird. Wenn man ein verlässliches Ergebnis dabei erzielen will, muss man dabei sachlich und unsentimental vorgehen – auch wenn man sich dabei mit Themen auseinandersetzen muss, die man gerne vermeidet. Die Pensionsversicherungsträger bieten als Service solche individuellen Vorausberechnungen an.

Im dritten Schritt zieht man einen Strich unter die beiden vorhergegangenen Rechnungen, schaut sich die vermutlich bei den meisten Pensionsanwärtern herauskommende negative Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit an und muss sich fragen, wie man diese Differenz noch ausgleichen kann. Vielleicht erreicht man das durch einen etwas zurückhaltenderen Plan vom Pensionistenleben oder aber möglicherweise durch eine private Aufstockung der Pensionshöhe.

Glücklich ist, wer dazu noch einige Jahre Zeit hat, denn in wenigen Bereichen ist das Sprichwort „Zeit ist Geld“ so wahr wie bei den Pensions-Zusatzversicherungen. Und diese braucht man, wenn keine zusätzlichen, privaten Geldquellen in Sicht sind. Abgesehen davon, dass Lottogewinne und diffuse Erbschaftsmöglichkeiten selten zuverlässige Faktoren sind, um die Höhe der erwarteten, verfügbaren Geldbeträge zu bestimmen.

Erste Anlaufstelle für alle Fragen zu Pensionen sollte also die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) sein. Die PVA ist der größte Pensions- und Sozialversicherungsträger in Österreich und prüft die Anspruchsvoraussetzungen, berechnet und gewährt die Pensionen und betreut auch die Pensionisten in vielen wichtigen Bereichen. Aufgabe der Pensionsversicherung ist die finanzielle Absicherung des Versicherten und dessen Angehörigen.

Seitens der PVA sind die folgenden Leistungen vorgesehen:
1. die Alterspension
2. die Korridorpension (ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen einen Pensionsantritt vor dem Regelpensionsalter bzw. gibt Zuschläge für eine spätere Inanspruchnahme der Pension)
3. die Schwerarbeitspension (ermöglicht ebenfalls einen Pensionsantritt vor dem Regelpensionsalter)
4. die vorzeitige Alterspension bei langer Versicherungsdauer („Hackler-Regelung“)
5. die krankheitsbedingte Pension
6. die Witwen-, Witwer- und Waisenpension; relativ neu ist die Pension für hinterbliebene eingetragene Partner/-innen

Weitere Pensionsversicherungsträger sind die:
Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB)
Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)
Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB)
Versicherungsanstalt des österreichischen Notariats

Die Leistungen dieser Träger sollen annähernd das wegfallende Arbeitseinkommen ersetzen und damit den Lebensunterhalt des Pensionisten/der Pensionistin sicher stellen. Sie müssen vom Versicherten selbst oder einem gesetzlichen Vertreter beantragt werden. Anträge können direkt beim jeweiligen Versicherungsträger, aber auch beim Magistrat oder den Gemeindeämtern gestellt werden.

Bei der Berechnung der finanziellen Erfordernisse nach dem Berufsleben kann herauskommen, dass eine private Pensionsversicherung empfehlenswert oder sogar unbedingt notwendig ist. Für private Pensionsversicherungen gibt es unzählige Anbieter. Um sich in der recht unüberschaubaren Menge der verschiedensten Möglichkeiten zurecht zu finden, sollte man sich vor der Einholung von Angeboten ebenfalls einige Fragen stellen.

Zum Beispiel: soll das eingezahlte Geld als einmalige Kapitalauszahlung zu Beginn der Pensionistenzeit ausgeschüttet werden oder ist ein laufendes Zusatzeinkommen solange man lebt oder für einen bestimmten Zeitraum besser geeignet?

Wie sicher soll oder wie riskant darf die Geldanlage sein? Will man vom Kapitalmarkt profitieren und nimmt man dafür Schwankungen in Kauf? Kann man auch während der Laufzeit die Strategie von riskant zu sicher und wieder zurück wechseln?

Bedacht werden muss, dass Anlagen in Aktien und Fonds möglicherweise nicht zu einem speziellen, gewünschten Zeitpunkt aufgelöst werden sollten, um Verluste zu vermeiden. Wer also gleich zu Beginn der Pensionszeit oder zu einem bestimmten, festen Zeitpunkt eine größere Anschaffung plant und dafür das Geld aus der Versicherung braucht, sollte diesen Punkt auf jeden Fall in die Rechnung mit einbeziehen.
Müssen Hinterbliebene mit versorgt werden?

Und nicht zuletzt sollte man sich fragen, welche Versicherungsart welche steuerlichen Vor- oder Nachteile im Lauf der Einzahlung oder im Lauf der Auszahlung bringen kann, denn jeder Abzug, der bei der Planung übersehen wurde, kann schmerzhafte und ärgerliche Einschnitte nach sich ziehen. Generell werden Pensionszusatzversicherungen vom österreichischen Staat gefördert.

Die Entscheidung, was für einen selbst gut und richtig ist, kann niemand dem Einzelnen abnehmen. Keiner denkt gerne an die Möglichkeit, im Alter zu verarmen und/oder die Gesundheit zu verlieren. Dennoch sollte man sich vielleicht einmal fragen, mit wieviel Akribie, Sorgfalt, Begeisterung und Zeit der nächste Sommer- oder Skiurlaub geplant wird – und wieviel Akribie, Sorgfalt, Begeisterung und Zeit man bisher in die Planung der eigenen Pensionistenzeit gesteckt hat.