Arbeitnehmerveranlagung

Was genau bedeutet die „Arbeitnehmerveranlagung“ denn eigentlich?

Eine Lohnsteuer wird in Österreich immer gleich berechnet. Wenn nun aber jemand nicht immer gleich verdient hat bzw. einmal, aufgrund von Arbeitsplatzverlust, keinen Verdienst hatte, oder aufgrund von einem Arbeitswechsel nun weniger verdient als zuvor, kann er eine Arbeitnehmerveranlagung beantragen.

Das heißt, nun wird die Steuer vom Finanzamt neu berechnet und über das Jahr gleichmäßig verteilt. Oft stellt sich dann heraus, dass man zuviel Steuern bezahlt hat. Den zuviel bezahlten Betrag bekommt man nun direkt auf das Konto als Gutschrift erstattet. Manchmal jedoch muß so mancher trotzdem nachzahlen. Das ist kein Problem, denn der Antrag auf eine Arbeitnehmerveranlagung kann jederzeit wieder zurückgezogen werden. Allerdings nur, wenn kein Pflichtveranlagungsgrund, d.h. der Arbeitnehmer ist zur Abgabe einer Arbeitnehmerveranlagung verpflichtet, besteht.

Nach Jahresende kann Folgendes geltend gemacht werden:

der Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag (einschließlich Kinderzuschlag), der Unterhaltsabsetzbetrag, Mehrkindzuschlag, Kinderfreibetrag, Pendlerpauschale (sofern er nicht schon vor dem Arbeitgeber geltend gemacht wurde), Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung für mitversicherte Angehörige, wenn eine geringfügige Beschäftigung vorliegt, können auch Pflichtversicherungsbeiträge geltend gemacht werden. Weiterhin natürlich Freibeträge, wie Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Amtsbescheinigungen und Opferausweise.

Nun fragen sich viele, wann der Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung gestellt werden kann. Wer sich sicher ist, dass er eine Lohnsteuergutschrift erhalten wird, der kann von sich aus eine Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt einreichen. Wer sich noch nicht ganz sicher ist, ob er denn eine Lohnsteuergutschrift erhalten würde, hier eine Checkliste:

Hatten Sie im Laufe des vergangen Jahres unterschiedlich hohe Bezüge und hat der Arbeitgeber keine Aufrollung durchgeführt?
Haben Sie im vergangen Jahr den Arbeitgeber gewechselt bzw. waren nicht ein Jahr lang vollbeschäftigt?
Haben Sie gering verdient?
Haben Sie Anspruch auf den Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag?
Haben Sie Anspruch auf eine Pendlerpauschale?
Wurden Sie bei der laufenden Lohnverrechnung nicht berücksichtigt?
Möchten Sie Freibeträge für Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen, die noch nicht in einem Freibetragsbescheid berücksichtigt wurden?

Wenn Sie eine Frage mit „ja“ beantwortet haben, dann können Sie den Antrag für Arbeitnehmerveranlagung einreichen.
Nun tritt die Frage auf, bis zu welcher Frist der Antrag gestellt werden muß. Für den Antrag auf Durchführung einer Arbeitnehmerveranlagung haben Sie fünf Jahre Zeit, d.h. der Antrag für 2009 kann bis zum Dezember 2014 gestellt werden.

Bereits ab dem Jahr 2002 können Sie den Antrag stellen. Wie Sie ihn stellen können?

Sie haben die Wahl den Antrag mittels Onlineformular über „FinanzOnline“ elektronisch an das zuständige Finanzamt zu senden, den Antrag per Post zu verschicken oder gleich persönlich beim zuständigen Finanzamt abzugeben. Je nachdem, wann Ihr Antrag beim Finanzamt eingetroffen ist, wird es alphabetisch geordnet und bearbeitet. Die zuständige Behörde ist das Finanzamt in Wohnortnähe, das Wohnsitzfinanzamt.

Das Finanzamt führt dann auf Ihren Antrag eine Arbeitnehmerveranlagung durch und überweist den Betrag auf Ihr Konto.
Nun fragen sich sicher viele, ab wann man zur Abgabe einer Arbeitnehmerveranlagung verpflichtet ist.
Verpflichtet ist, wessen Einkommen im Jahr die Bemessungsgrenze von 11.945 Euro übersteigt. Folgende Punkte müssen dann ebenfalls zutreffen:

Der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag für 2009 steht Ihnen nicht zu wurde aber bei der laufenden Lohnverrechnung berücksichtigt. Frist wäre hier der 30.September des Folgejahres, also der 30.09.2010.

Sie hatten zeitweise gleichzeitig mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen, die aber beim Lohnsteuerabzug nicht gemeinsam versteuert wurden (z.B. Firmenpension). Frist wäre hier ebenfalls der 30.09.2010.

Sie hatten eine Pendlerpauschale zu Unrecht oder in nicht korrekter Höhe in Anspruch genommen oder sind Ihrer Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen. Frist wäre auch hier der 30.09.

Sie hatten unrechte Angaben über die Steuerbefreiung von Kinderbetreuungskosten abgegeben oder sind Ihrer Meldepflicht über die Änderung Ihrer Verhältnisse nicht nachgekommen. Frist: 30.09.

Wird man vom Finanzamt zu einer Pflichtveranlagung aufgefordert?

Wer von sich aus keine Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung abgibt oder abgeben muss, der wird vom Finanzamt zur Einreichung einer Erklärung aufgefordert. Damit die Finanzbehörde eine Pflichtveranlagung durchführen kann. Das Finanzamt kommt auf Sie zu, wenn folgende Punkte auf Sie zutreffen:

Ihnen wurde ihm vergangen Jahr Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenkasse ausbezahlt (Gleiches gilt auch, wenn Ihnen Bezüge aus dem Heeresgebührengesetz, d.h. Truppen und Kaderübungen aus einem Dienstleistungsscheck vorliegen oder Sozialversicherungsbeiträge rückerstattet worden sind).

Sie haben 2009 Zahlungen aus dem Insolvenz- Entgelt- Fond erhalten.

Ihnen wurde ein Freibetragsbescheid ausgestellt (eine Pflichtveranlagung ist hier jedoch nur durchzuführen, wenn der Freibetragsbescheid zu hoch war).

Sie fragen sich bestimmt auch, weshalb es bei der Arbeitnehmerveranlagung zu Nachzahlungen kommen kann, wenn Sie zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Bezüge erhalten. Hier werden die Bezüge so gestaltet, als hätten Sie nur einen Bezug erhalten, d.h. Sie werden nun also wie jemand behandelt, der nur einem Dienstverhältnis unterliegt, aber ebensoviel Gehalt oder Pension bezieht, wie Sie, mit mehreren Bezügen.

Ein wichtiger Punkt wäre noch, ob es zu Vorauszahlung bei einer Arbeitnehmerveranlagung kommen kann. Einkommenssteuerpflichtige müssen vierteljährlich Vorauszahlungen entrichten. Der Betrag richtet sich nach der Höhe der Einkommenssteuer. Bei Lohnsteuerpflichtigen jedoch kommt es dann zur Vorauszahlung, wenn die Nachzahlung 300 EUR übersteigt.

Weitere Tipps zur Arbeitnehmerveranlagung:

Umfangreiche Infos – Arbeitnehmerveranlagung 2009
Fragebogen zur Arbeitnehmerveranlagung und Tipps ob sich die AV lohnt > Arbeiterkammer zum Thema